Treffpunkt Abendstraße 6: Bernd – Operation Germanenkind

Das Kino braucht mehr Anarchie.

Wer vom »typisch deutschen Kino« spricht, meint damit in der Regel zu handzahme, zu gefällige, zu sehr auf Förderung schielende und deshalb risikoarme Filme. Und auch wenn die Bildästhetik von »Bernd – Operation Germanenkind« nicht gerade nach virtuoser Kameraarbeit à la Emmanuel Lubetzki aussieht: Mit all den anderen Klischees räumt dieser Streifen gehörig auf. Diese wunderbar schrägen Ausgeburt des deutschen Underground-Kinos ist eine unbequeme Fiction.

Regisseur Cornelius Schwalm sagt über seinen Film: »Bernd ist Darsteller mit besonderem Betreuungsbedarf in einem anerkannten Berliner Theaterkollektiv. Als die Gruppe mit ihrem Stück über eine Wunderwaffe der Nazis ausgerechnet nach Peenemünde reist, eskaliert die Situation – denn der ausgegrenzte Bernd interessiert sich zunehmend für die Errungenschaften des Dritten Reichs.« Der Film behandelt Themen wie Inklusion und Ausgrenzung, Identifikation mit der Geschichte, Machtmissbrauch und Ermächtigung, Eskalation der Gewalt.

In seiner politsatirischen Verspultheit weckt Schwalms Film Erinnerungen an einen Christoph Schlingensief. Das macht zuweilen großen Spaß. Kunst muss dahin gehen, wo es wehtut. Und das tut Bernd buchstäblich und konsequent mit Strömen von Kunstblut. Gesellschaftliche Spiegel überall, die Bubbles und die (Pseudo-)Moral kriegen ihr Fett weg.

R
Cornelius Schwalm
K
Ute Freund, Yannick Hasse
M
Philipp Haagen
S
Kai Wido Meyer
D
Verena Unbehaun, Matthias Rheinheimer, Silvina Buchbauer, Sasha Weis, Mathias Znidarec, Michael Benthin u.a.
Land
DE
Jahr
2025 
Genre
Drama
Länge
92 Minuten
FSK
ab 12
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  • Mi., 16.09. 19:30