Das melancholische Mädchen

Filme wie »Das melancholische Mädchen« sind in Deutschland eher selten. Das an der Berliner Film- und Fernsehakademie (dffb) entstandene und mit dem Max Ophüls Preis 2019 geehrte Kinodebüt der Autorin und Regisseurin Susanne Heinrich erzählt keinen Plot, sondern legt konsequent die filmische Form offen.

In insgesamt 14 Episoden stolpert die (natürlich!) sehr melancholische Protagonistin (Marie Rathscheck) durch den Film und mäandert in schrägen Outfits von einer skurrilen Situation in die nächste. Zwischendurch betont sie, sie sei Schriftstellerin, die über den ersten Satz des zweiten Kapitels ihres Romans nicht hinauskomme. Außerdem ist sie auf der Suche nach einem Schlafplatz. Mit einer guten Portion Zynismus kommentiert sie dabei das Geschehen oder führt absonderliche Gespräche mit ihren von Szenerie zu Szenerie – mal Mutterkurs, dann Underground-Party – wechselnden Kommunikationspartnern, die sie bei ihrer Suche trifft. Mit verfremdenden Effekten wie der Stimmüberlagerung oder den wunderbar exzentrischen Settings gelingt ein zuweilen hochkomischer Exkurs durch die bekannten Stationen des zeitgenössischen Großstadtlebens. Mit distanzierendem Blick werden artifizielle (Sinn-)Konstrukte, innerhalb derer wir uns tagtäglich mal mehr, mal weniger gedankenlos fortbewegen, demontiert.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht das Artifizielle, sondern der Glücksfall, dass der Film kein Stück langweilt. Das mit Filmseminarwissen vollgepackte Debüt ist kein marktgerechtes Thesengedöns, sondern zuerst eine aufgeweckte Gesellschaftskomödie mit einer schönen Form der Ironie – der vollen Ironie nämlich, die nicht nur plump das Gegenteil des Gesagten meint, sondern gleichzeitig auch das Gesagte und manches dazwischen.

(Offener) Filmklub der VHS Magdeburg

R
Susanne Heinrich
K
Agnesh Pakozdi
M
Mathias Bloech, Moritz Sembritzki
S
Susanne Heinrich, Benjamin Mirguet
D
Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Malte Bündgen, Dax Constantine, Monika Freinberger, Yann Grouhel, Julian Fricker, Nicolo Pasetti u.a.
Land
DE
Jahr
2019 
Genre
Tragödie
Länge
80 Minuten
FSK
ab 12
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  • Mo., 31.08. 19:31